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Unsere Welt 2050
Das Buch ist in
Zusammenarbeit
mit Schülerinnen und Schülern
der
Walther-Groz-Schule Albstadt
im Rahmen eines Seminarkurs
entstanden
ISBN 978-3-9812497-5-0
€ 12,50
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Rezensionen
Copyright © 2011 by
Antje Jürgens (AJ)
War es das Cover, das
mich neugierig machte, oder eher die Zeile „Ein Verlag macht Schule –
Schüler machen ein Buch“? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es auch die
Mischung aus beidem. Manchmal genügen Kleinigkeiten, um meine Neugier zu
wecken. Bei Unsere Welt 2050 wurde sie geweckt und das, obwohl das matt
glänzend gehaltene Cover in dunkelblau mit der gewählten (überwiegend)
grünen Schrift etwas trocken und fachbuchartig wirkt. Das Motiv vorne zeigt
eine Weltkugel, deren Ozeane und Länder mit Worten ausgefüllt ist, die
bereits einen ersten
kleinen Einblick auf das bieten, was im Buch kommt.
Zusammen mit der
Verlegerin Christine Brendle haben der Lehrer Bertram Weber und vierzehn
Schülerinnen und Schüler der Walther-Groz-Schule in Ebingen die Idee zu
diesem Buchprojekt verwirklicht. Was 2010 begann, liegt nun vor und kann im
Buchhandel bezogen werden. Bücher sind nicht nur etwas Kostbares und
Wundervolles, sie verlangen auch einiges an Herzblut und innerer
Überzeugung, wenn sie je fertig werden sollen. Die Schüler und Schülerinnen
haben beides bewiesen. Sie haben das Projekt mit geplant, aktiv daran
gearbeitet und alles umgesetzt. Sie dürften heute neben einer entsprechend
erhaltenen
positiven Bewertung für
ihr Abitur ein Buch auch mit anderen Augen als noch vor ein paar Monaten
betrachten. Es finden sich kleinere Anfängerfehler (eine Geschichte wird
etwa wiederholt, was vermutlich kein Stilmittel des Autors ist) darin, doch
angesichts der Tatsache, dass vorwiegend Laien beteiligt waren, ist die
Umsetzung gut gelungen; vor allem, wenn man den Zeitrahmen betrachtet, in
dem das Projekt verwirklicht wurde.
Aber zum Inhalt. Mit
seinen 175 Seiten im A5-Format hält man ein Buch, das schnell gelesen sein
müsste, zumal die Kapitel nur wenige Seiten, einmal gar nur zwei Absätze
umfassen. Doch die gewählte Thematik macht es zu einem Buch, das man
zwischendurch immer wieder weglegt, um nachzudenken.
Schülerinnen und Schüler
haben nicht nur zur Veröffentlichung der achtundzwanzig darin enthaltenen
Geschichten und eines Gedichtes beigetragen – ein Teil wurde auch von
Schülern geschrieben. Neben ihnen kommen auch andere, bekannte oder weniger
bekannte Autoren zu Wort. Dazu gehören, außer Politikern und einer Bankerin,
beispielsweise auch eine Hotelfachfrau oder ein Pfarrer a. D, Neulinge wie
solche, die schon Veröffentlichungen vorweisen können.
Doch ob nun Frischling
oder Profi, ob nun sechzehn oder sechsundachtzig – alle Autoren beschäftigt
ein Thema: Unsere Welt 2050. Nicht einmal mehr ganze neununddreißig Jahre
trennen uns momentan noch davon. Und in Anbetracht der Tatsache, wie rasant
sich die Welt innerhalb der letzten 40 Jahre verändert hat, stellt sich
berechtigterweise die Frage, wie die Welt 2050 gestaltet sein wird. Bunt
oder farblos, trostlos oder hoffnungsvoll, brutal oder friedlich?
Die Art und Weise wie
etwa der 1991 geborene Keith Petri darüber denkt, dürfte dem einen oder
anderen älteren Leser kleinere Schluckbeschwerden verursachen. Seine Vision
sieht düster und dystopisch aus; ist eine kleine Ohrfeige für die ignorante
Gesellschaft im Hier und Jetzt; artikuliert eher eine Zukunftsangst, als
eine Vision. Es gibt Science-Fiction, weitere Dystopien und fantastische
Geschichten, wie die von Kristina Kesselring, in der die Menschen der
Zukunft ihre Natur anderen Wesen angleichen können. Es gibt trotz der
bedenklichen Vision eher Ironisch-Heiteres, wie das Gespräch zwischen einer
Großmutter und ihrer Enkelin von Simone Föhl. Dagegen wirkt die Geschichte
der 17jährigen Jasmin
Loose, die ihre
Protagonistin gegen die Unsterblichkeit kämpfen lässt, durchweg kritisch.
Und Kimmelmann macht mit
Leuten, die nichts können, kurzen Prozess. Er zeigt mit dem ausgestreckten
Zeigefinger im Ausklang seiner Agenda 2050 trotz der deutlich gemachten
Gefahr auf die mangelnde Fähigkeit zur Veränderung – stellvertretend für all
das, was man tagtäglich ändern könnte.
Das sind nur ein paar
der Beiträge der Anthologie. Alle daraus auch nur kurz anzuschneiden, würde
den Rahmen einer Buchbesprechung sprengen. Alle zu lesen, empfiehlt sich
jedoch eindeutig. Die Geschichten zeigen, dass die Autoren sich ihrer
Aufgabe mit Ideenreichtum gestellt und sie teilweise komplex umgesetzt
haben. Einige Ideen bieten Raum für einen Roman. Manche Beiträge sind eher
philosophisch, manche wirken hoffnungsvoll geträumt, andere kritisch und
bestürzend. Es geht um das Leben nach einem Nuklearkrieg, um Reisen
in die Zukunft; um
Unsterblichkeit, Ressourcenverschwendung und Ressourcenknappheit; um Mangel
und Überfluss; um perfekte Menschen und solche, wie die Natur sie geschaffen
hat; um Überlebenstaktiken und Exodus; um Bildung, Freizeitgestaltung,
Ängste und Nöte, kleine Freuden und Liebe. Mal blickt der Leser zurück in
die Gegenwart, mal wirft er einen Blick in die Zukunft. Mal wirkt diese
Zukunft real, mal wie ein schwer realisierbarer aber erstrebenswerter
Wunsch, mal fiktiv. Die damit hervorgerufenen Emotionen sind genauso
vielfältig, wie die Ansätze, die die Autoren verfolgen. Die aktuellen Bezüge
zu einigen
Beiträgen genauso
erschreckend wie der stete Hinweis auf durchaus bekanntes, doch gern
verleugnetes oder ignoriertes Wissen, weil bis jetzt immer alles doch
irgendwie funktioniert hat. Damit ist den Autoren zusammen mit den an der
Verwirklichung des Projekts arbeitenden Schülerinnen und Schülern, ihrem
Projektleiter und der Herausgeberin eine Mischung gelungen, die einerseits
tatsächlich überraschend kurzweilig unterhält, andererseits zum Nachdenken
anregt. Es ist eines der Bücher gelungen, die man durchaus schnell lesen
kann, das aber mit
Sicherheit wert ist, öfter in die Hand genommen und auch weitergereicht zu
werden. Eines der Bücher, die man nicht einfach schnell wieder vergisst. Was
vielleicht am meisten betroffen macht, sind die Geschichten der jüngsten
Autoren. Der Umstand, wie viel Hoffnung die Welt im Heute ihnen offenkundig
schon genommen zu haben scheint. Eine Welt, mit der die Menschheit nicht nur
heute viel zu sorglos umgeht. Tatsache ist, dass unser Verhalten sich ändern
muss und Unsere Welt 2050 zeigt sehr deutlich warum. Nicht nur, um die darin
angedeuteten Horrorszenarien noch irgendwie abzuwenden, sondern um Hoffnung
in unseren Kindern zu erhalten, zu schüren oder gar wiederzuerwecken.
Veränderung kann und muss im Kleinen beginnen. Vielleicht mit einer
Geschichte aus diesem Buch.
Fazit
Ein schwieriges Thema
sehr gut umgesetzt. Geschichten/Gedichte, die den Leser in eigenen
Gedankengängen bestätigen und unterstützen, Widerworte hervorrufen und – das
ist das Wichtigste – nachdenklich stimmen. Die gelungene Verwirklichung
dieser Idee lässt auf weitere Projekte dieser Art hoffen. Für Unsere Welt
2050 möchte ich trotz der kleinen Anfängerfehler, die volle Punktzahl
vergeben, da diese hier nicht ins Gewicht fallen (und selbst bei Vollprofis
vorkommen können).
Copyright © 2011 by
Antje Jürgens (AJ)
Rezension im Vorwärts
http://www.vorwaerts.de/artikel/die-kleine-knolle-vernunft.
Unsere Welt 2050
Ein Verlag macht Schule - Schüler machen ein Buch
von Christine Brendle (Hrsg.)
Sie grinst, denn sie ist von ihrer "neu gewonnenen Unmenschlichkeit"
begeistert, ja geradezu ergriffen. Ihre Eltern waren damals entsetzt, als
sie von ihrem Vorhaben erfuhren. Etwas ungewohnt ist es ja schon, als ihre
Zunge zum ersten Mal die neuen spitzen Zähne spürt. Schmerzen hat sie keine.
Da ist nur dieses Gefühl, dass ihr Körper an unzähligen Stellen seine Form
verändert hat. Der Eingriff ist inzwischen Routine, denn nicht wenige folgen
inzwischen diesem Schönheitsideal, wenn auch aus anderen Gründen ...!
Langsam werden ihr unter Aufsicht eines Arztes alle Verbände abgenommen. Das
Gehör würde sich in den nächsten Tagen noch wesentlich verbessern, meint er.
Ihre Hände stecken noch in den "postoperativen Gelhandschuhen", bevor sie
vom Arzt geöffnet werden. Zunächst ist nichts Ungewöhnliches zu entdecken.
Die Nägel sind sogar noch etwas kürzer geschnitten als vorher. Doch als der
Arzt mit seinem Daumen zwischen Elle und Speiche drückt, fahren ihr
hellbraune Krallen aus den Fingerspitzen! Ihre Mutter darf dabei sein und
sie gerät in Verzückung. Sie bewundert die Schönheit ihrer Tochter, und vor
allem gefallen ihr die Schnurrhaare ...
"Kitty" ist eine von jenen Geschichten, die im wahrsten Sinne des Wortes
unter die Haut gehen. Auf diesen wenigen Seiten (die das Potential für einen
Roman besitzen!) lässt Kristina Kesselring eine sehr eindringliche
Zukunftsvision entstehen. Diese wirkt keinesfalls statisch kühl, sondern
beängstigend realistisch. Kitty ist nicht nur technisch-utopische Fiktion,
sondern wirkt wie der winzige Ausschnitt einer "real existierenden" Zukunft.
Die Autorin beschreibt die Situation in einer natürlichen
Selbstverständlichkeit und über jeden Zweifel erhaben. Es scheint also gar
keine Geschichte zu sein, sondern Wahrheit in einer gar nicht mal so weit
entfernten Realität!
Einer überaus düsteren und beängstigenden Vision begegnen wir in "Morgen
bist du ein anderer", dem Gedicht von Dr. Klaus-Peter Walter. Da liegt es,
"das Ding". An Maschinen angeschlossen. Es lebt noch, das Gehirn in der
Salzlösung ...! Wer vermag sich dieses entsetzliche Grauen auch nur
annähernd vorstellen? Nichts hören, nichts sehen, nichts fühlen ... ja nicht
einmal schreien können? Nur noch "Sein" und einem wissenschaftlichen Zweck
dienlich sein?
Auch Rebecca Schick sieht mit Sorge in die Zukunft. Jede Individualität wird
durch Technologie vernichtet. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt
auf 115 Jahre. Unsere Nahrung wird von Computern zusammengestellt und
optimiert. Krankheiten treten eher selten auf. Wir sind alle topfit ... doch
haben nichts mehr zu tun, da uns Maschinen alles abnehmen. Selbst Reisen
entfällt, weil man sich an jeden beliebigen Ort "beamen" lassen kann. Den
Menschen geht es "körperlich" gut, doch eigentlich sind sie in so einer Welt
komplett überflüssig. Es bleibt nur noch die systematische Verblödung ...
...welche Stephanie Längl in ihrer Geschichte "85 Jahre Eis" auf die Spitze
treibt! Sean wacht nach 85 Jahren Kälteschlaf auf. Niemand scheint im Labor
zu sein. Er flüchtet, denn schnellstens möchte er in die Zivilisation
zurück. Doch eine solche scheint es nicht mehr zu geben. Seine Stadt
erstickt im Müll und die Bewohner in geistiger Umnachtung! Noch negativer
sieht Keith Petri mit "Wie wird es den Menschen im Jahr 2050 gehen" in die
Zukunft ...
Auch die anderen Autorinnen und Autoren haben eine Menge zu bieten und
beschäftigen sich auf sehr kreative Art und Weise mit dem gegebenen Thema.
Manchmal mehr, manchmal weniger komplex. "Miteinander" von Brigitte Rippe
spendet Hoffnung auf eine positive Entwicklung, Gernot Erler weiß in "Poesie
2050" über die künftige Bedeutung von Poesiealben zu berichten, andere
erzählen über die längst realisierte Stromerzeugung in der afrikanischen
Wüste, erklären was ein Internet-Psychiater ist, wie Finnisch zur
Weltsprache wurde oder stellen uns eine Oma vor, die ihrer Enkelin
beibringen will, was ein Buch ist!
Der Rezensent bedauert ausdrücklich, nicht jeder einzelnen Autorin und jedem
einzelnen Autor die notwendige Erwähnung schenken zu können. Doch niemand
geht in dieser außerordentlich lebendigen Anthologie unter, dem
gemeinschaftlichen Projekt von Verlegerin Christine Brendle und Lehrer
Bertram Weber sowie seinen 14 Schülern des Seminarkurses 2010 an der
Walter-Groz-Schule Ebingen. Unzählige Arbeitsstunden und viel Herzblut haben
die hochmotivierten Schülerinnen und Schüler schon in der Planungsphase des
Projektes investiert und waren somit von der Idee bis zum fertigen Buch
aktiv in den Entstehungsprozess eingebunden. So teilten sie sich nicht nur
Zuständigkeitsbereiche für Werbung/Akquisition, Texte sowie
Druck-Buchblock-Layout, sondern auch für Kalkulation und PR-Arbeit! Schade
nur, dass am Ende die Zeit nicht reichte, und somit einige Fehler,
typografische Schnitzer und ein doppelter Text ("Zukunftstraum" gibt es
gleich zweimal!) übersehen wurden. Allerspätestens hätte dies bei der
Kontrolle der letzten Korrekturfahnen kurz vor Drucklegung auffallen müssen!
Diese zweifellos sehr unerfreulichen Tatsachen können mir aber das
Gesamtbild nicht wesentlich trüben. Aus Fehlern soll man ja bekanntlich
lernen, und die erste Auflage ist ja nicht die letzte Auflage! Ich würde in
diesem Fall den Spieß sogar umdrehen und aus der Not eine Tugend machen,
denn bevor die zweite Auflage erscheint, sollten sich alle Büchernarren
einmal überlegen, ob sie mit dem Kauf eines Buches aus der ersten Auflage
nicht eventuell ein wertvolles Unikat erwerben! Wer weiß, was ein Sammler
für die Erstausgabe von "Unsere Welt 2050" in vierzig Jahren zahlen würde!
"Unsere Welt 2050" macht eines klar. Die Zukunft kann niemals bereist
werden. Expeditionen in diese Richtung werden immer theoretisch bleiben,
obwohl auch und gerade ich diese Gedankenexperimente immer wieder gerne
durchgespielt habe. Doch etwas, was noch nicht existiert, kann nicht besucht
werden. Die Zukunft ist noch nicht da, sie existiert noch nicht. Es sind wir
Menschen, die sie erst noch gestalten und bauen müssen, und auf welch
grundverschiedene Wege dies führen kann, zeigt dieses Buch. Trotz
unterschiedlichster Ansätze stehen die Arbeiten in einem unsichtbaren
Zusammenhang und bilden somit eine untrennbare Einheit. Sehr deutlich werden
Ängste, aber auch Hoffnungen der Autorinnen und Autoren.
Boris Palmer sieht es positiv. Der "grüne" Oberbürgermeister von Tübingen,
Sohn des legendären "Remstalrebells" Helmut Palmer, benötigt für seinen
Ausblick lediglich eine halbe Seite. Dennoch sind seine Worte für ein Fazit
in dieser Sache geradezu prädestiniert. 2050 würden ganz sicher sehr viele
Windräder auf der Schwäbischen Alb stehen. Autos gäbe es keine mehr und die
"Regionalstadtbahn" würde im Zehn-Minuten-Takt fahren. Überall an den
Bahnhöfen würden Leih-Farräder stehen. Ab 2010 seien die Erfolge im
Klimaschutz sehr erfolgreich gewesen. Sehr glücklich wären darüber auch die
Enkel der ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Walther-Groz-Schule in
Ebingen ...
"... die 40 Jahre zuvor die gute Idee hatten, eine zukunftsweisende Vision
für die Welt im Jahr 2050 zu entwerfen und zu leben."
Thomas Lawall - August 2010
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