Das Geheimnis der Partisanen-Tora
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Eine in großen Teilen wahre Geschichte. Einge Geschichte über Krieg und Versöhnung.
Lesprobe
Brief aus Venedig
von Mascha Kaléko
Ganz solo fühlt man sich hierorts als Waise.
Die kleinste Gondel hat für Zweie Platz.
Und ›Baedeker‹ ist schwerlich ein Ersatz
Im Markusdom und anderswo erkennt
Sogar der Laie frühen Orient;
Byzanz, Judäa, Griechenland, archaisch…
Mir scheint so manches Mosaik mosaisch.
Hingegen war mir katholisch zumute.
Doch über dem Weihrauch und über den Messen
Hab ich jenes alte Warum nicht vergessen:
- Warum nur, wenn alle Maria vergöttern,
Verfolgt man Mariens judäische Vettern?
Statt Antwort kam Geläut der Versperglocken,
Gemischt mit gregorianischem Choral.
Und auf der Brücke über dem Kanal,
Im Ghettoschatten sah ich Shylock hocken.
...
DAS ENDE DER SCHWARZEN PEST
1630
I
»Oh Madonna!« Jeden Morgen, wenn sich der Himmel über den Inseln im Osten gerötet, wenn der Schlaf ihn geflohen hatte, wenn er beim dumpfen Frühgeläut vom Campanile ans Fenster trat zum Morgengebet, zum Ave Maria und Vaterunser, dann war auch die Piazza erwacht. Aber das geschäftige Treiben, auf das er geschaut hatte, das hastige Geläufe war nicht dem Leben gewidmet. Das früher so frohe Gerufe und Hantieren der Händler und Marktleute, das Kommen und Gehen der ersten Käufer und später am Tag die Spiele der Komödianten und Musikanten - sie waren dem stummen und eiligen Dienst am Altar des schwarzen Todes gewichen. Schnellen Schrittes, als wolle man dem raffenden Jäger entkommen, in wehenden Mänteln, mit selbst genähten Schutzmasken im Gesicht, liefen sie, die vom Rat der Stadt bestallten Gehilfen, hetzten mit ihren Tragbahren in die Wohnquartiere von Haus zu Haus, von Tor zu Tür, um die dort abgelegten, in der Nacht Gestorbenen wie Erntegarben an den Rand der Piazza zu legen.
Zwischen den Hin- und Rückeilenden hatte er immer wieder - welch absurdes Bild - den Dottore Roberto Gardini entdeckt, wie er hastend, im knöchellangen schwarzen Mantel, das Gesicht mit der schnabelartigen weißen Pestmaske bedeckt, zu den eingewickelten Körpern ging, um sich von ihrem Tod zu überzeugen.
Auch die höchste Flut des acqua alta wird diese Bilder nicht löschen können: Wie die schwer schuftenden Träger ihre Lasten herausschleppten aus der gefährlichen Enge der Gassen und sie aufhäuften am Rand der Piazza, weil die Fuhrleute der Schinderkarren nicht nachkamen, nicht mitkamen mit dem rasenden Schnitter. Es waren oft Hunderte an einem Tag, die bis zum Dunkelwerden wegzukarren waren. Fast jeder Dritte der 160.000 Venezianer war dem Tyrannen zum Opfer gefallen.
»Zwölf Stunden haben wir alle Straßen und Plätze durchsucht, haben unser Kommen ausrufen lassen und um Meldung gebeten, und wir fanden keinen mehr, der mit dem Tode ringt. Doge! Wir fanden keinen Toten mehr am heutigen Tag.
...
Material
143 Seiten, Taschenbuch, Cover mit Bild der Synagoge Ghetto Nuovo Venedig
Weitere Bilder
Für weitere Informationen, besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Artikel.
Diesen Artikel haben wir am Wednesday, 16. December 2009 in unseren Katalog aufgenommen.
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