Wasser Geschichten

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Wasser Geschichten

Art.Nr.: 0005
Beschreibung

Wasser Geschichten
Anthologie

Ob kleines Kind oder Mensch in reiferen Jahren, Wasser zieht jeden magisch an. Ungestüm, sanft und heiter erleben wir das Element das unsere Welt und ihre Farben schwebend einfängt und verspielt wiedergibt. Doch wehe wenn es sein Antlitz verdunkelt, sich die Wellen aufbäumen und donnernd das Ufer peitschen, dann bedroht es alles was ihm nahe kommt. In diesem Buch erzählen Autoren ihre Geschichten vom Meer – getanzten Gezeiten – im Schleppnetz die Sonne, aber auch von Stürmen, über die Ufer tretenden Flüssen, Regen, der den Frühling verhagelt, vom Eintauchen in Badewannen und Erinnerungen, von flüssigen Gedanken während man im Schwimmbad seine Bahnen zieht, von gefrorenen Zeiten und heißen salzigen Tränen. 
Softcover, 148 Seiten mit 11 Farbbildern, 54 Geschichten und Gedichte

12,90 EUR
inkl. 7 % MwSt. exkl.

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Details zum Produkt

LESEPROBE

Mechthild geht schwimmen
Sigrid Krekel

Herr Kösens lächelte, als Mechthild van Weihen vor sein Kassenhäuschen trat. Sie trug ihre fliederfarbene Dienstags-Badehaube und zog die Blicke der neuen Gäste auf sich. Die Stammgäste hatten sich schon lange an die riesigen farbenfrohen Plastikblumenarrangements gewöhnt, die im täglichen Wechsel Mechthilds Haupt prachtvoll schmückten und die in den Himmel ragten, als wollten sie den Engeln guten Morgen sagen.

Das Hallenbad war seit neun Uhr geöffnet, und wie jeden Morgen hatte Mechthild eben ihren altersschwachen Golf in beängstigend schneller Weise unter jaulendem Motorgetöse nur wenige Millimeter vor den Fahrradständern zum Halten gebracht, um pünktlich Viertel nach neun in ihrem wehenden, sonnenblumengelben Bademantel hereinzurauschen. Mechthild liebte fulminante Auftritte. Ihr Leben als provinzielle Turn- und Hauswirtschaftslehrerin war nicht sehr aufregend gewesen, zwang sie das auf engste Vorgaben gegründete Arbeitsverhältnis im Mädchenpensionat doch bis zu ihrem Renteneintritt vor fünf Jahren in strenge Konventionen. Nun, frei und seit längerem verwitwet, war sie wild entschlossen, der Lebenslust rigoros auf die Sprünge zu helfen. Überzeugt trug Mechthild ihre Badehauben wie Kronen der Freiheit. Sie fand sie überaus kleidsam, zudem hatten sie diesen straffenden Effekt, ein Kriterium von erheblicher Relevanz, wie Mechthild fand. Ingesamt strahlte Mechthild jene Gelassenheit aus, die furchtlosen Menschen eigen ist. Das blieb nicht ohne Wirkung auf die männlichen Schwimmer höheren Alters, die regelmäßig im städtischen Bad ihre Bahnen zogen. Herr Schmiedel, ein schmalbrüstiger Herr und früher einmal Bibliothekar, war tief beeindruckt von Mechthilds reifer Grazie und betonte dies, wann immer er sie sah. Herr Gusemann komplimentierte ihr wortlos, dafür augenzwinkernd. Ein wenig vulgär fand Mechthild die Art des Seniorchefs der Baumschule Gusemann schon, doch traf der wohlproportionierte und noch muskulöse Körper des Vierundsiebzigjährigen viel mehr ihren Geschmack, als die von der Natur und dem geistigen Leben sehr vernachlässigte Erscheinung von Herrn Schmiedel. Herr Gusemann hatte auch noch erstaunlich volles Haar, dessen weiße Farbe sogar glitzerte, wenn er nach einem kräftigen Delphinschwung aus dem Wasser emportauchte.

Aber Mechthild war an diesem Morgen noch weit davon entfernt, eine Liaison zu suchen. Nachdem ihr Gatte plötzlich an den Folgen eines Wespenstiches verstorben war, und sie sich recht schnell von ihrer Trauer und einer, wenngleich kurz dauernden, doch überaus heftigen Furcht vor Einsamkeit erholt hatte, war in ihr der feste Entschluss gereift, das weitere Dasein ohne Mann zu genießen. Sie hatte, so glaubte sie, einfach nicht mehr die Kraft, die es braucht, zwei derart unterschiedliche Wesen wie Mann und Frau auf ein albernes Gemeinsames zu zwingen. Gelegentlich gefühlte Wollust kämpfte sie lyrisch nieder. Die Reihe ihrer unveröffentlichten Werke zierte gleich zwei Regale und allzu romantische Illusionen verbot ihr schon ihr pragmatischer Verstand. Trotzdem pflegte sie einen herzlichen Umgang mit dem männlichen Geschlecht. So auch mit Herrn Kösens, dem sie heute ein selbst gebackenes Stück Heidelbeerkuchen mitgebracht hatte.

Am Beckenrand angekommen, atmete Mechthild aus dem Bauch heraus aus, bevor sie ihren Bademantel öffnete. Als junges Mädchen von knabenhafter Gestalt, hatte sie im Laufe der Jahrzehnte von der Taille ab aufwärts zugenommen, während Beine und Po ein verhungertes Dasein fristeten. Ihr Bauch traf sich an den Seiten mit ein, zwei Röllchen Rückenspeck, und ihr Busen ruhte mächtig im starken Korsett des spitz gearbeiteten Oberteils ihres schwarzen Badeanzuges. Wie sie so dastand erinnerte sie Herrn Schmiedel, der eben prustend vorbeigeschwommen kam, an eine imposante Zypresse, die groß und würdevoll den Eingangsbereich eines herrschaftlichen Palais zierte.

 »Frau van Weihen! Ich muss schon sagen! Selbst das Wasser wird sanfter, wenn Sie das Bad betreten.«

Mechthild lächelte und ließ den Blick über das weite Nass schweifen. ...


Material

Taschenbuch


Extras

Gestrandet
Rolf Rühlicke

Zunächst einander unbekannt,
trifft sich ein junges Paar am Strand.
Der Jüngling, der zunächst noch schweigt,
ist einem Flirt nicht abgeneigt.
Sie findet auch den Jüngling nett
und gibt sich locker und kokett.

So lächeln sie einander an,
doch kommen nicht so recht voran.
Als er dann endlich zu ihr spricht,
versteht sie seine Sprache nicht.
Er war, wie sie bald festgestellt,
aus einem andern Teil der Welt.

Sie zeigt nach kurzer Überlegung
ihm eine Trockenschwimm-Bewegung,
um ihn zum Wasser hinzulocken.
Sie springt hinein, doch er bleibt trocken.
Sie schwamm davon als er sich sonnte,
traurig, weil er nicht schwimmen konnte.

Mit ihr waren, genau genommen,
ihm alle Felle weggeschwommen.
 

 


Für weitere Informationen, besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Artikel.


Diesen Artikel haben wir am Tuesday, 15. December 2009 in unseren Katalog aufgenommen.


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